Das möglicherweise nicht ganz letzte Lesebattle

Lesebattle--Plakat

Antizyklisch verhalten, sagt das Känguru und da ich der Philosophie dieses imaginären Marc Uwe Kling Mitbewohners eine Menge abgewinnen kann, komm ich mal mitten zwischen Saisonende und EM Anfang mit etwas Berliner Fußballkultur daher.

Als nämlich Hertha und Union vor gar nicht so langer Zeit zusammen in der zweiten Liga Derbys austrugen, kam auch eine Buchreihe in die Läden, die sich „111 Gründe Verein XY zu lieben“ nannte. In dieser Reihe gab es natürlich auch eine Version für die olle Tante aus Schlottenburg und eine für die Schlosserbrigade aus Köpenick.

Ich weiss nicht, wer auf die geniale Idee kam, dem sportlichen Wettbewerb auf dem Rasen einen literarischen an die Seite zu heften, aber ich bin ihr/ihm/ihnen sehr dankbar dafür.
Es kam infolge dieser Idee nämlich zu fussballerischen Begegnungen der ganz besonderen Art.

Knut Beyer, seines Zeichens unheimlicher Geheimchronist der blauweissen Szene und Frank Nussbücker, rotweisser Ghostwriter mit eigener Ultragruppierung vereint nicht nur die Tatsache, dass beide amphibischen Fangruppierungen angehör(t)en: Der eine ist Herthafrosch der andere wurde durch die Oranienburger FCU Frösche sozialisiert, nein sie sind auch beide Autoren für die oben erwähnte Buchnummer.

Lesebattle--Frank-und-Knut

Mit diesen Vorraussetzungen war der Sprung zum Lesederby nicht mehr weit. Diese bestehen aus dem Vortragen und kunstvollen Ausschmücken von Passagen besagter Taschenbücher. Jeder Autor für seinen Verein und trotz freundschaftlicher Gesinnung mit der für diesen Anlass gebotenen Respektlosigkeit vor des Gegners Können.
Ich hab bei einem dieser Derbys Nussi das erste Mal persönlich getroffen und auch Knut als performanten Büchersignierer kennengelernt.

Da jetzt Hertha und Union aber nicht mehr in derselben Liga spielen, gibt es auch keine Derbys und deswegen schlief die ganze Sache wohl etwas ein. Da keiner so genau sagen kann, wann Union aufsteigt (oder Hertha ab, was vielen wahrscheinlicher erscheinen mag), ist den Union Rebellen die Wartezeit wohl zu lang geworden und deshalb haben sie in der legendären Unionkneipe „Zum Strassenfeger“ zur letzten Schlacht geladen.

„Der letzte Lesebattle“ war dann auch gleich mal 50 Jahre in die Zukunft versetzt. So wollte man sich wohl die Möglichkeit offen lassen, dazwischen, also in der Vergangenheit des letzten Battles, aber trotzdem in unserer Zukunft, weitere Lesebattle oder gar -derbys stattfinden zu lassen. Ähmm, der geneigte Zeitreisende wird sicher verstehen, was ich damit sagen will, das kann sonst nämlich schnell paradox werden, wenn man zuviel darüber nachdenkt. Na jedenfalls kamen Nussi und Knut mit Rollstuhl, Rollator, Krücken und Pflegepersonal bewaffnet in die Arena. Ich habe sehr gelacht. Knuts Introduktion als schweineohriger Spock war der Knaller. Beide Kontrahenten schenkten sich in der darauf folgenden Halbzeit nichts. Die Abwehrreihen standen gut, man sah Spielwitz und eisernen Willen auf dem Platz. Wer da nicht im Stadion, ich meine in der Kneipe war, war nicht dabei.

Die Halbzeit gestaltete sich kurzweilig, ich traf natürlich die üblichen Verdächtigen. Es gab wieder einige „Ach du bist das“ Momente und natürlich Bier. BAK Coach Baumgart war zum Beispiel vor Ort und Ronny Nikol auch. Nussis Kumpel Berge erzählte von dem tollen Gefühl, nach Jahrzehnten wieder in der Alten Försterei zu stehen. Das er meinen Blogbeitrag gelesen hätte und sich sehr gefreut hat, berichtete er mir. Das war ihm ein Bier wert, für das ich mich nochmal recht herzlich bedanken möchte. Eisern, Berge. Noch jemand, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er liest, was ich über Union schreibe, kam auf mich zu. Danke Sporti für dein tolles Feedback, das hat mir echt ne Menge bedeutet.

Es gab natürlich eine ebenso verbittert geführte zweite Halbzeit, eine kleine Auktion die ein stattliches Sümmchen für die Obdachlosenküche „Haus Schönheim“ zusammengebracht hat und ein musikalisches Rahmenprogramm.
Selbiges bestritten von Roland ohne Krispin und nur mit Gitarre, was keinen davon abhielt, lauthals sein „Wir sind Union“ mitzusingen. Sam Paffs Versuch Sportis „Eisernet Lied“ anzustimmen, gestaltete sich dagegen äusserst witzig, weil er völlig neben allem lag, was so einem Lied Struktur gibt. Es war ein Träumchen. Sporti meinte hinterher nur lapidar: „Der Typ hat einfach keen Taktjefühl“. Da musste nicht nur ich herzhaft lachen.

Lesebattle--Roland Krispin

Eine Premiere gab es auch noch. Das von P.R. Kantate stammende Lied „In Balin“ wurde von Chris Lapotta auf meinen Lieblingsverein umgedichtet (Die Medien haben darüber berichtet) Jedenfalls wollte Kantate (der übrigens ein guter Kumpel von mir ist) da erst nicht mitspielen, weil er den Lapotta nicht kannte. Mit TeiChis freundlicher Hilfe (er ist mit beiden Künstlern befreundet) wurde dann doch noch was aus dieser Kollaboration und das Ergebnis war im Strassenfeger zu hören. Zum ersten Mal vor Publikum. Das ging dann musikalisch nicht ganz so glatt, wie gedacht. Ich hab aber trotzdem beim Refrain mal draufgehalten, damit man sich wenigstens ein bisschen was darunter vorstellen kann.

Hier übrigens das mittlerweile schon ziemlich betagte, aber immer noch fantastische Original.

P.R. Kantate der u.a. Teil des Comedyduos „Manne und Günther“ ist und in dieser Funktion als Günther eine versöhnliche Videobotschaft seines Kollegen Manne überbrachte, erntete viel Applaus. Ich hätte das gern hier eingebunden, aber das geht mit Facebookvideos leider nicht.

Als Ausgleich dazu dieses kleine Werk, das einen würdigen Abschluss für diesen Blogpost bietet. Ich machte mich nämlich kurz darauf auf den Heimweg.

Alles in allem ein schöner Tag im Kreis der Familie.
Eisern bleiben
Saetchmo

Der Geist des Spiels (FCU- FCH 17.04.16)

Das schwerste bei so kreativen Sachen ist ja, den Anfang zu finden. Wenn man den ersten Teil dann fertig hat, geht’s meistens wie von selbst.
Dieses Problem kennt mein Künstlerkollege Frank „Nussi“ Nussbücker sicher auch ganz gut.

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Sein neuer Roman „Der Geist des Spiels“ hat mich am Prematchabend veranlasst, das Haus zu verlassen, ohne das mich Arbeit dazu nötigte. Eine illustre Runde aus Herthanern und Unionern traf sich da in der „Tante Käthe“ am Mauerpark, um Nussis Erstroman zu bestaunen. Um Fussball geht es, soviel verriet schon mal das Cover. Die Passagen die der Autor dann zum Besten gab, erinnerten mich in Stil und Vortragsweise stark an Ottokar Domma Bücher, die älteren unter euch erinnern sich möglicherweise daran.

Ich möchte nicht zuviel verraten, aber der Roman hält neben autobiografisch angelehnten Auszügen einen interessanten, wenn auch ein wenig gruseligen Ausblick in eine imaginäre Zukunft des Eventfussballs bereit. Da Nussi sich in seinem Buch gern selbst auf die Schippe nimmt, zur Premiere seinen guten Kumpel Berge als real existierende Protagonistenvorlage einlud und dieser zu den über ihn vorgetragenen Anekdoten jeweils ein wissendes Nicken abgab, war für viele Lacher gesorgt.

Die von diversen Bieren begleitete Nachbereitung des Abends eröffnete mir die Möglichkeit, den legendären Comiczeichner Sam Paff endlich mal persönlich kennenzulernen. Mit der Folge das ich jetzt weiss, warum man ihn so nennt. Ich wäre gern noch geblieben, der heraufziehende Heimspieltag löste die Gruppe jedoch ziemlich schnell auf und man wollte sich eh am nächsten Tag am Barkas treffen. Ob ich nicht auch auf ein Bierchen rumkommen wollen würde, frugte man mich zum Abschied und klar wollte ich.

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Heimspieltag.
Mit einem angefeierten Abend im Nacken in der Zweiten Liga ist das eine echte Herrausforderung. Wer ist denn Sonntags um die Zeit schon fit? Also so richtig?
Ich jedenfalls nicht und das Bezugsgruppengeburtstagskindkonterbier half jetzt auch nicht so wirklich weiter, bewirkte aber, dass ich zu meiner Verabredung am Barkas schon leicht verscheppert war. Dort traf ich selbstredend eine Menge Gäste der Buchpremiere und Sebastian.
Dem stellte ich mich vor mit „Hallo, ich bin Saetche“
worauf er antwortete: „Sorry, ich bin k.o.“
„Ähhm, ja hallo k.o., schön dich kennenzulernen“.
Ich freu mich schon, ihm das nächste Mal zu begegnen (Hier bitte ein Ernielachen einfügen).
Nussi hatte wohl ziemlich lange Premiere gefeiert, jedenfalls schlug er ziemlich spielnah auf. Wir wünschten uns alle die für diesen Tag zu erwartenden drei Punkte („Allet andere wäre ne Beleidigung“ O-Ton Nussi) und ich wollte schon in Richtung Waldseite flitzen, als plötzlich jemand neben mir stand, den ich irgendwoher kannte. Dieses Gefühl ist in der Alten Försterei jetzt nicht so ungewöhnlich, weil man nunmal nicht alle Unioner kennen kann, aber den meisten schonmal irgendwie über den Weg gelaufen ist. Kurz und gut neben mir stand Sporti und ich ergriff die Chance, ihm persönlich für die Hymne „Eisernet Lied“ zu danken. Dieser Song gehört nicht nur für mich unauslöschlich zu Union und zum Spieltagsritual. Ich hab das Lied sogar als Klingelton und gehe immer erst ran nachdem die Textzeile „Hier is meen Zuhause, hier kriegt ma keena weg“ verklungen ist. Das kann man dann auch mal kommunizieren finde ich. Gerade ich weiss ja aus eigener Erfahrung, was das für einen Künstler bedeutet. Anerkennung kannste eben nicht mit Geld kaufen und Sportis ehrliche Freude über mein, hopfenschorlebedingt sehr blumig ausfallendes Kompliment, bestätigte mir das.

Jetzt war es aber wirklich höchste Zeit, den eigenen Platz aufzusuchen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wenn man auf dem Weg dahin ausreichend zu schüttelnden Händen begegnet. Dafür wartete aber im Block ein leckeres Bier auf meine trockene Kehle. Die Bezugsgruppe sie lebe hoch.
Das Spiel an sich war ein sehr schönes, gekrönt von Bobby Woods fast schon obligatorischem Tor. Gesehen hab ich allerdings wieder nicht viel, wie man auf diesem Bild sehr schön beobachten kann.

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Seis drum. Es gab drei Punkte und die Alte Försterei feierte.
Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Apathie über die übliche sonntägliche Singeunlust hinausging, wie das einige beschrieben haben. Die Stimmung passte.

An dieser Stelle möchte ich kurz noch ein bis drei Anmerkungen zum neuen Schalalacontent abgeben.

„Fussballclub Union Berlin in weiss und rot,
wir stehn zu dir auch in grösster Not.
Spieler, Trainer kommen und sie gehn,
doch meine Liebe zu dir bleibt bestehn.“

An sich ein gelungener Fangesang mich wundert nur, warum die Person von der dritten in die erste wechselt ? Wäre nicht „…doch UNSRE Liebe zu dir bleibt bestehn“ grammatikalisch sinnvoller ? (Edit: Nils wies mich darauf hin, dass da vom Plural in den Singular gewechselt wird. Recht hat er, wenn schon klugscheissen, dann auch richtig. Danke, Nils)
Das Timing ist darüberhinaus auch gaaaanz wichtig bei sowas. Als Stadionrundensong nach einem Sieg, Spielern gegenüber, die diese Seuchensaison doch noch irgendwie ansehnlich gemacht haben eher so lala, finde ich. Da haben wir schönere Möglichkeiten. Wie zum Beispiel den Iron-Hennig-Gedächtnispogo, der einige Stufen tiefer voll Hingabe zelebriert wurde. Das hat schon Stil.

So neigte sich dieser Fussballtag seinem unweigerlichen Ende zu. Die Verabschiedungen werden langsam etwas herzlicher, weil wohl jedem klar wird, dass nur noch zwei Heimspiele kommen, dann ist diese verrückte Saison auch schon wieder vorbei.
Zur Rückfahrt gab’s deshalb noch Bier und Ketwurst, um diesen Match Day genauso gelungen enden zu lassen, wie er anfing.

Eisern bleiben
Saetchmo

Taktische Erwägungen auf dem Eiserne Ketten Blog und die akustische Nachbereitung gibt es selbstverständlich beim Textilvergehen.

Schwarzer Spieltag für die Fankultur

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(Foto: Union Foto)

Diesen Text von Faszination Fankurve sollte man sich geben. Nicht nur die späte Terminierung der DFL stösst sauer auf, es ist allgemein ein klarer Mittelfinger in Richtung Fans.

„Der 32. Spieltag der Saison 2015/2016 in der 1. Bundesliga wird als schwarzer Spieltag für die Fankultur in die Geschichte eingehen. Dafür sorgen DFB und DFL mit einem Derby komplett ohne Gästefans und der Einführung eines Montagsspiels in der 1. Bundesliga.

Allen Lobbygruppen, die Einfluss auf den Fußball haben wurde damit entgegengekommen, nur der Fan bleibt mal wieder auf der Strecke. Polizei und Innenminister haben einen fußballfreien 1. Mai, wie sie es sich gewünscht haben. Doch statt die Sonntagsspiele auf den Samstag zu verlegen, wurde kurzerhand und für die betroffenen Fußballfans völlig überraschend ein Montagsspiel in der 1. Bundesliga eingeführt, schließlich muss auch der übertragende Pay-TV Sender zufriedengestellt werden…“

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Union – KSC 2:1 (26.02.16)

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Da war es also.
Dieses eine Spiel der Saison, das alles hat was dem Unioner ein Funkeln in die Augen reibt.
Ein wenig kalt war es und das Bier schmeckte irgendwie komisch, allerdings werden das nicht die Dinge sein, die im kollektiven Gedächtnis der Eisernen hängen bleiben werden.

Das Flutlicht wird hängenbleiben, der gut gefüllte Gästeblock. Der Geruch von Bratwurst, der aus dem seit ein paar Spielen hinter uns platzierten Grillstand weht, das Summen auf der Terasse.

Hier is meen Zuhause, hier kricht ma keena weg. Die Alte Försterei dit is der einzje Fleck.

Unioner, schön das ihr da seid!

Kollektiv wird der Durchhaltewillen der Schlosserjungs aus Oberschöneweide beschworen. Dringend nötig bei der weiterhin hohen Zahl an Verletzten. Selbst den Trainerchef hat es ja bekanntlich aus den Latschen gehauen. Seuchensaison.
Begleitet wird das Ritual von einer Rauch- und Bengaloshow aus des Gegners Block, die durch ein durch die Zähne gerauntes „leider geil“ Beachtung findet.

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Anpfiff.
Nach gefühlt 2 Sekunden macht sich der Schiri unbeliebt. Ein Omen?
Wir feiern. Union spielt gut, Karlsruhe sieht schlagbar aus aber irgendwie plätschert alles so dahin.
Die erste Viertelstunde ohne Gegentor überstanden. Das wie erwähnt etwas merkwürdig schmeckende Bier geht zur Neige.
Ich will neues holen, aber die Bezugsgruppe hat sich schon gekümmert. Anstossen zu Trimmels Flanke und Redondos Kopfball. Vielleicht geht ja was.
Eine weitere Viertelstunde Plätscherei zieht ins Land. Nach einem faden 0:0 Unentschieden, in dem das einzige die Gemüter aufwallende Ereignis die undurchsichtigen Entscheidungen des offiziellen Schiedsrichterazubis sind, sieht es aus.

Egal, wir feiern. Bis in der 31. Minute der rot-weisse Atem stockt.
Wie aus dem Nichts geht Karlsruhe in Führung.
Wie jetzt, echt? 5 Sekunden Stille. Dann haben alle wieder Luft und verlangen nach Kampf und Sieg.
So einfach wird das nicht, Karlsruhe.
Der Ausgleich kurz vor der Pause, das wär’s. Einfach mal draufschiessen.
Als hätte Felix Kroos das gehört, hämmert er in der Nachspielzeit der ersten Hälfte das Ding in den rechten Winkel der gegnerischen Maschen.
Extravoluminöser Pausenjubel.

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(Foto: Union Foto)
Manchmal ist es ganz praktisch jemanden im Kader zu haben, der aus dem Schatten seines Weltmeisterbruders heraustreten möchte. Sag ich mal so.

Die Pause ist wie immer gefüllt mit heiteren und auch traurigen Grüssen von Unionern für Unioner. Wir beklatschen Jubiläen und wünschen gute Besserung. Wir begrüssen Neuzugänge in der Familie und verabschieden uns bei endgültig Gegangenen.

Mit „I feel you“ von Depeche Mode geht’s in die zweite Runde.
Ja, wir können genau fühlen, was da auf dem Rasen für eine Stimmung ist.
Der Schiri mag diese Stimmung anscheinend nicht und dämpft sie nach 3 Minuten mit einer weiteren gelben Karte für Damir Kreilach, was bekanntlich in einem Platzverweis mündet.
Nee, oder? Hat der echt die Rote? Ja, hat er.

Wir werden nochmal lauter und nach 5 Minuten ist klar, dass der KSC keine Anstalten macht, seine Überzahl auszunutzen. Im Gegenteil. Union spielt sehr diszipliniert weiter. Bobby Wood flitzt wie ein Duracelhase von einer Seite zur anderen und auch der Rest der Mannschaft läuft und läuft und läuft.
Die Floskel „Oft spielen Teams in Unterzahl ja besser“ wird bemüht und auf dem Grün bemüht man sich, diese Floskel zu bestätigen.

Die 60. Minute bricht an und startet mit einem dieser Wahnsinnsläufe von Bobby Wood.
Bobbys Art mit dem Ball in der Box die Seiten zu wechseln und eine gute Schussposition zu suchen, erinnert mich schon das ganze Spiel über irgendiwe ein wenig an Arjen Robben. Mehr Gemeinsamkeiten gibt es allerdings nicht.

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(Foto: Union Foto)

Jedenfalls findet er mal wieder nach etwas Gewühle eine Position zum Schiessen, zieht ab und verpasst den optimalen Ansatz. Der etwas verünglückte Ball prallt dann allerdings unhaltbar an einem Karlsruher ab. Manchmal ist es eben auch einfach nur das Glück des Tüchtigen.

Oder eben der Durchhaltewillen der Schlosserjungs aus Oberschöneweide, der ins Unermessliche steigt.

Die letzten 30 Minuten sind eine Stimmungsklusterbommbe. Die Alte Försterei kocht. Kämpfend und siegend dem Morgengrauen entgegen sind der Verein und die Mannschaft unser ganzer Stolz und die Ränge können, ohne zu übertreiben als der 11. Spieler bezeichnet werden.

Abpfiff. Siegerpogo auf der Waldseite zu Iron Hennings „Union“.
„Hier regiert der FCU“
Mehr gibt es dazu an diesem Abend nicht mehr zu sagen.

Wir sehen uns gegen Frankfurt wieder.
Eisern bleiben
Saetchmo

Die akustische Aufbereitung des Spieltages kann man wie immer beim Textilvergehen nachhören. Der Podcast macht mit dieser Folge die 250 voll. Herzlichen Glückwunsch und bleibt weiterhin so unterhaltsam!

Union – 1860 München 14.02.16

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Was für ein schönes Spiel und endlich mal wieder Zeit für dödödödödö.
Aber der Reihe nach.

Ich hatte an diesem Wochenende meine Nichte zu Besuch und es stellte sich die Frage entweder das erste Heimspiel der Rückrunde zu verpassen oder die notwendige Kinderbespaßung mit der Unionvirusinfizierung meiner Schwestertochter zu verbinden.
Nachdem die Kleene die Aussicht auf ein echtes Fussballspiel mit positivem Feedback bedachte, stand einem Besuch der Alten Försterei nichts mehr im Wege.

Die Anreise verlief unspektakulär und entspannt wobei mir auffiel, wie zurückhaltend die Einsatzkräfte auftraten.
Und das bei gut gefülltem Gästeblock.
Wenn das das Ergebnis der Diplomatie in Sachen Austria Salzburg Spiel ist, dann wird das den dabei Verletzten erstmal nicht direkt helfen, aber es entspannt die Stimmung doch extrem.
Das muss man mal wertungsfrei so feststellen.

Vielleicht war aber auch Valentin, der Schutzheilige der Blumenhändler und Süßigkeiten-in-Herzform-Verkäufer verantwortlich für den relaxten Hauch, der durch unser Wohnzimmer zog. Ich werde das mal weiter beobachten.

Hätte die Sonne noch dazu geschienen, wäre es kaum zum Aushalten gewesen so gut fühlte es sich an.
Die Bezugsgruppengespräche drehten sich wie immer um allerlei Alltagsgossip und natürlich um das bevorstehende Match gegen die Löwen aus München.
Die Aussagen dazu reichten von „das müssen wir gewinnen, so schwach wie 1860 gerade spielt“ bis zu „mit den Verletzungen können wir froh über ein Unentschieden sein“. Allgemein ging die Tendenz aber in Richtung eines „wir lassen uns einfach mal überraschen und erwarten nix“.

Meine Nichte hatte sich mittlerweile den anwesenden Kids zugesellt und wollte natürlich mit denen rumziehen. Ich dachte mir wenn das irgendwo geht, dann ja wohl hier und entliess sie mit den Worten „Wenn du mich nicht findest oder sehen kannst, gehste zu nem Ordner und lässt mich ausrufen“.
Dazu später mehr.

Es plätscherte also alles ganz gemütlich vor sich hin und da in den ersten fünf Minuten kein Tor gegen uns gefallen war und mein Bier fürchterlichen Schwund zu verzeichnen hatte, machte ich mich auf eine Neubefüllung des Sammelbechers zu erwirken.
Ich kam gerade rechtzeitig zurück, um unser erstes Tor zu sehen und die Terasse mit der Hälfte meines Frischgezapften zu benetzen. Ein Opfer, das ich gerne dargebracht habe. Wenn das Bier allerdings noch teurer wird, muss ich auf diese Art der Fußballgotthuldigung leider verzichten.
Munter ging es bis zum Halbzeitpfiff weiter. Deutlich zu bemerken war der Einfluss des neuen Keepers und man war sich weitgehend einig: Guter Mann, gute Entscheidung von Lewandowski.

Ausserdem scheint bei Bobby Wood entgültig der Knoten geplatzt zu sein.
Der Mann verströmte eine unglaubliche Spielfreude und Athletik.
Die spezielle Athmosphäre die in unserem Verein herrscht, scheint genau das zu sein, was ein Individualist wie Wood braucht.
Wenn uns den keiner wegkauft, sehe ich da einen neuen vereinsinternen Torschützenkönig.
Jedenfalls lässt er den Verlust Polters immer mehr verblassen. Bei mir zumindest.

Die Halbzeit kam und mit ihr der Harndrang. Das man dabei wie beim Begrüssungsgeld anstehen muss verhinderte, dass mich meine Nichte zum Zwecke der Purzelchenvorratsauffüllung finden konnte. Nun ist das Kind sehr folgsam und so kam ich in den Genuss, dass mein Name im Stadion ausgerufen wurde. Ein Traum wurde wahr. Wenn auch vielleicht nicht ganz so, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Die zweite Halbzeit war ein Fussballfest.
Man sah der Mannschaft an, dass sie hart an der Kondition gearbeitet hat. Bälle wurden erlaufen, die in der Hinrunde noch aufgegeben wurden. Es gab wunderschöne Pässe zu sehen, ganz besonders der von Parensen zum 2:0 durch Wood.
Die aktive Einwirkung Busks auf seine Abwehr, führte zu einem sehr viel geschlosseneren Bild und diese wirkte dadurch nicht ansatzweise so labil, wie noch vor ein paar Monaten.
Spannend machten sie es aber trotzdem, wodurch wir dann jedoch auch die Künste unseres neuen Torwarts bestaunen konnten.

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Für einige Löwenanhänger scheint die zweite Liga wohl schon Geschichte und der Abstieg besiegelt. Ziemlich fatalistisch, so früh im Wettbewerb.
Das 3:0 durch Kreilach machte die zu schluckende Pille allerdings schon ziemlich bitter, nehme ich an.
Für sowas ist es dann hilfreich, die Kunst des aufrechten Scheiterns zu beherrschen oder auch „Always look on the bright side of life“.
Das fällt in der Alten Försterei für gewöhnlich besonders leicht.

Noch leichter allerdings fällt das Feiern eines Sieges.
Immer.

Ach und eine Neuinfizierte gibt es natürlich auch.
Meine Nichte war völlig hin und weg. Ganz besonders gefallen hat ihr Bobby Wood.
Das Kind hat eben Ahnung.

Eisern bleiben
Saetchmo

Die podcastmässige Nachbereitung des Spiels findet man wie immer auf dem Blog des Textilvergehens.