Das möglicherweise nicht ganz letzte Lesebattle

Lesebattle--Plakat

Antizyklisch verhalten, sagt das Känguru und da ich der Philosophie dieses imaginären Marc Uwe Kling Mitbewohners eine Menge abgewinnen kann, komm ich mal mitten zwischen Saisonende und EM Anfang mit etwas Berliner Fußballkultur daher.

Als nämlich Hertha und Union vor gar nicht so langer Zeit zusammen in der zweiten Liga Derbys austrugen, kam auch eine Buchreihe in die Läden, die sich „111 Gründe Verein XY zu lieben“ nannte. In dieser Reihe gab es natürlich auch eine Version für die olle Tante aus Schlottenburg und eine für die Schlosserbrigade aus Köpenick.

Ich weiss nicht, wer auf die geniale Idee kam, dem sportlichen Wettbewerb auf dem Rasen einen literarischen an die Seite zu heften, aber ich bin ihr/ihm/ihnen sehr dankbar dafür.
Es kam infolge dieser Idee nämlich zu fussballerischen Begegnungen der ganz besonderen Art.

Knut Beyer, seines Zeichens unheimlicher Geheimchronist der blauweissen Szene und Frank Nussbücker, rotweisser Ghostwriter mit eigener Ultragruppierung vereint nicht nur die Tatsache, dass beide amphibischen Fangruppierungen angehör(t)en: Der eine ist Herthafrosch der andere wurde durch die Oranienburger FCU Frösche sozialisiert, nein sie sind auch beide Autoren für die oben erwähnte Buchnummer.

Lesebattle--Frank-und-Knut

Mit diesen Vorraussetzungen war der Sprung zum Lesederby nicht mehr weit. Diese bestehen aus dem Vortragen und kunstvollen Ausschmücken von Passagen besagter Taschenbücher. Jeder Autor für seinen Verein und trotz freundschaftlicher Gesinnung mit der für diesen Anlass gebotenen Respektlosigkeit vor des Gegners Können.
Ich hab bei einem dieser Derbys Nussi das erste Mal persönlich getroffen und auch Knut als performanten Büchersignierer kennengelernt.

Da jetzt Hertha und Union aber nicht mehr in derselben Liga spielen, gibt es auch keine Derbys und deswegen schlief die ganze Sache wohl etwas ein. Da keiner so genau sagen kann, wann Union aufsteigt (oder Hertha ab, was vielen wahrscheinlicher erscheinen mag), ist den Union Rebellen die Wartezeit wohl zu lang geworden und deshalb haben sie in der legendären Unionkneipe „Zum Strassenfeger“ zur letzten Schlacht geladen.

„Der letzte Lesebattle“ war dann auch gleich mal 50 Jahre in die Zukunft versetzt. So wollte man sich wohl die Möglichkeit offen lassen, dazwischen, also in der Vergangenheit des letzten Battles, aber trotzdem in unserer Zukunft, weitere Lesebattle oder gar -derbys stattfinden zu lassen. Ähmm, der geneigte Zeitreisende wird sicher verstehen, was ich damit sagen will, das kann sonst nämlich schnell paradox werden, wenn man zuviel darüber nachdenkt. Na jedenfalls kamen Nussi und Knut mit Rollstuhl, Rollator, Krücken und Pflegepersonal bewaffnet in die Arena. Ich habe sehr gelacht. Knuts Introduktion als schweineohriger Spock war der Knaller. Beide Kontrahenten schenkten sich in der darauf folgenden Halbzeit nichts. Die Abwehrreihen standen gut, man sah Spielwitz und eisernen Willen auf dem Platz. Wer da nicht im Stadion, ich meine in der Kneipe war, war nicht dabei.

Die Halbzeit gestaltete sich kurzweilig, ich traf natürlich die üblichen Verdächtigen. Es gab wieder einige „Ach du bist das“ Momente und natürlich Bier. BAK Coach Baumgart war zum Beispiel vor Ort und Ronny Nikol auch. Nussis Kumpel Berge erzählte von dem tollen Gefühl, nach Jahrzehnten wieder in der Alten Försterei zu stehen. Das er meinen Blogbeitrag gelesen hätte und sich sehr gefreut hat, berichtete er mir. Das war ihm ein Bier wert, für das ich mich nochmal recht herzlich bedanken möchte. Eisern, Berge. Noch jemand, von dem ich nicht erwartet hätte, dass er liest, was ich über Union schreibe, kam auf mich zu. Danke Sporti für dein tolles Feedback, das hat mir echt ne Menge bedeutet.

Es gab natürlich eine ebenso verbittert geführte zweite Halbzeit, eine kleine Auktion die ein stattliches Sümmchen für die Obdachlosenküche „Haus Schönheim“ zusammengebracht hat und ein musikalisches Rahmenprogramm.
Selbiges bestritten von Roland ohne Krispin und nur mit Gitarre, was keinen davon abhielt, lauthals sein „Wir sind Union“ mitzusingen. Sam Paffs Versuch Sportis „Eisernet Lied“ anzustimmen, gestaltete sich dagegen äusserst witzig, weil er völlig neben allem lag, was so einem Lied Struktur gibt. Es war ein Träumchen. Sporti meinte hinterher nur lapidar: „Der Typ hat einfach keen Taktjefühl“. Da musste nicht nur ich herzhaft lachen.

Lesebattle--Roland Krispin

Eine Premiere gab es auch noch. Das von P.R. Kantate stammende Lied „In Balin“ wurde von Chris Lapotta auf meinen Lieblingsverein umgedichtet (Die Medien haben darüber berichtet) Jedenfalls wollte Kantate (der übrigens ein guter Kumpel von mir ist) da erst nicht mitspielen, weil er den Lapotta nicht kannte. Mit TeiChis freundlicher Hilfe (er ist mit beiden Künstlern befreundet) wurde dann doch noch was aus dieser Kollaboration und das Ergebnis war im Strassenfeger zu hören. Zum ersten Mal vor Publikum. Das ging dann musikalisch nicht ganz so glatt, wie gedacht. Ich hab aber trotzdem beim Refrain mal draufgehalten, damit man sich wenigstens ein bisschen was darunter vorstellen kann.

Hier übrigens das mittlerweile schon ziemlich betagte, aber immer noch fantastische Original.

P.R. Kantate der u.a. Teil des Comedyduos „Manne und Günther“ ist und in dieser Funktion als Günther eine versöhnliche Videobotschaft seines Kollegen Manne überbrachte, erntete viel Applaus. Ich hätte das gern hier eingebunden, aber das geht mit Facebookvideos leider nicht.

Als Ausgleich dazu dieses kleine Werk, das einen würdigen Abschluss für diesen Blogpost bietet. Ich machte mich nämlich kurz darauf auf den Heimweg.

Alles in allem ein schöner Tag im Kreis der Familie.
Eisern bleiben
Saetchmo

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