Der Geist des Spiels (FCU- FCH 17.04.16)

Das schwerste bei so kreativen Sachen ist ja, den Anfang zu finden. Wenn man den ersten Teil dann fertig hat, geht’s meistens wie von selbst.
Dieses Problem kennt mein Künstlerkollege Frank „Nussi“ Nussbücker sicher auch ganz gut.

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Sein neuer Roman „Der Geist des Spiels“ hat mich am Prematchabend veranlasst, das Haus zu verlassen, ohne das mich Arbeit dazu nötigte. Eine illustre Runde aus Herthanern und Unionern traf sich da in der „Tante Käthe“ am Mauerpark, um Nussis Erstroman zu bestaunen. Um Fussball geht es, soviel verriet schon mal das Cover. Die Passagen die der Autor dann zum Besten gab, erinnerten mich in Stil und Vortragsweise stark an Ottokar Domma Bücher, die älteren unter euch erinnern sich möglicherweise daran.

Ich möchte nicht zuviel verraten, aber der Roman hält neben autobiografisch angelehnten Auszügen einen interessanten, wenn auch ein wenig gruseligen Ausblick in eine imaginäre Zukunft des Eventfussballs bereit. Da Nussi sich in seinem Buch gern selbst auf die Schippe nimmt, zur Premiere seinen guten Kumpel Berge als real existierende Protagonistenvorlage einlud und dieser zu den über ihn vorgetragenen Anekdoten jeweils ein wissendes Nicken abgab, war für viele Lacher gesorgt.

Die von diversen Bieren begleitete Nachbereitung des Abends eröffnete mir die Möglichkeit, den legendären Comiczeichner Sam Paff endlich mal persönlich kennenzulernen. Mit der Folge das ich jetzt weiss, warum man ihn so nennt. Ich wäre gern noch geblieben, der heraufziehende Heimspieltag löste die Gruppe jedoch ziemlich schnell auf und man wollte sich eh am nächsten Tag am Barkas treffen. Ob ich nicht auch auf ein Bierchen rumkommen wollen würde, frugte man mich zum Abschied und klar wollte ich.

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Heimspieltag.
Mit einem angefeierten Abend im Nacken in der Zweiten Liga ist das eine echte Herrausforderung. Wer ist denn Sonntags um die Zeit schon fit? Also so richtig?
Ich jedenfalls nicht und das Bezugsgruppengeburtstagskindkonterbier half jetzt auch nicht so wirklich weiter, bewirkte aber, dass ich zu meiner Verabredung am Barkas schon leicht verscheppert war. Dort traf ich selbstredend eine Menge Gäste der Buchpremiere und Sebastian.
Dem stellte ich mich vor mit „Hallo, ich bin Saetche“
worauf er antwortete: „Sorry, ich bin k.o.“
„Ähhm, ja hallo k.o., schön dich kennenzulernen“.
Ich freu mich schon, ihm das nächste Mal zu begegnen (Hier bitte ein Ernielachen einfügen).
Nussi hatte wohl ziemlich lange Premiere gefeiert, jedenfalls schlug er ziemlich spielnah auf. Wir wünschten uns alle die für diesen Tag zu erwartenden drei Punkte („Allet andere wäre ne Beleidigung“ O-Ton Nussi) und ich wollte schon in Richtung Waldseite flitzen, als plötzlich jemand neben mir stand, den ich irgendwoher kannte. Dieses Gefühl ist in der Alten Försterei jetzt nicht so ungewöhnlich, weil man nunmal nicht alle Unioner kennen kann, aber den meisten schonmal irgendwie über den Weg gelaufen ist. Kurz und gut neben mir stand Sporti und ich ergriff die Chance, ihm persönlich für die Hymne „Eisernet Lied“ zu danken. Dieser Song gehört nicht nur für mich unauslöschlich zu Union und zum Spieltagsritual. Ich hab das Lied sogar als Klingelton und gehe immer erst ran nachdem die Textzeile „Hier is meen Zuhause, hier kriegt ma keena weg“ verklungen ist. Das kann man dann auch mal kommunizieren finde ich. Gerade ich weiss ja aus eigener Erfahrung, was das für einen Künstler bedeutet. Anerkennung kannste eben nicht mit Geld kaufen und Sportis ehrliche Freude über mein, hopfenschorlebedingt sehr blumig ausfallendes Kompliment, bestätigte mir das.

Jetzt war es aber wirklich höchste Zeit, den eigenen Platz aufzusuchen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wenn man auf dem Weg dahin ausreichend zu schüttelnden Händen begegnet. Dafür wartete aber im Block ein leckeres Bier auf meine trockene Kehle. Die Bezugsgruppe sie lebe hoch.
Das Spiel an sich war ein sehr schönes, gekrönt von Bobby Woods fast schon obligatorischem Tor. Gesehen hab ich allerdings wieder nicht viel, wie man auf diesem Bild sehr schön beobachten kann.

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Seis drum. Es gab drei Punkte und die Alte Försterei feierte.
Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Apathie über die übliche sonntägliche Singeunlust hinausging, wie das einige beschrieben haben. Die Stimmung passte.

An dieser Stelle möchte ich kurz noch ein bis drei Anmerkungen zum neuen Schalalacontent abgeben.

„Fussballclub Union Berlin in weiss und rot,
wir stehn zu dir auch in grösster Not.
Spieler, Trainer kommen und sie gehn,
doch meine Liebe zu dir bleibt bestehn.“

An sich ein gelungener Fangesang mich wundert nur, warum die Person von der dritten in die erste wechselt ? Wäre nicht „…doch UNSRE Liebe zu dir bleibt bestehn“ grammatikalisch sinnvoller ? (Edit: Nils wies mich darauf hin, dass da vom Plural in den Singular gewechselt wird. Recht hat er, wenn schon klugscheissen, dann auch richtig. Danke, Nils)
Das Timing ist darüberhinaus auch gaaaanz wichtig bei sowas. Als Stadionrundensong nach einem Sieg, Spielern gegenüber, die diese Seuchensaison doch noch irgendwie ansehnlich gemacht haben eher so lala, finde ich. Da haben wir schönere Möglichkeiten. Wie zum Beispiel den Iron-Hennig-Gedächtnispogo, der einige Stufen tiefer voll Hingabe zelebriert wurde. Das hat schon Stil.

So neigte sich dieser Fussballtag seinem unweigerlichen Ende zu. Die Verabschiedungen werden langsam etwas herzlicher, weil wohl jedem klar wird, dass nur noch zwei Heimspiele kommen, dann ist diese verrückte Saison auch schon wieder vorbei.
Zur Rückfahrt gab’s deshalb noch Bier und Ketwurst, um diesen Match Day genauso gelungen enden zu lassen, wie er anfing.

Eisern bleiben
Saetchmo

Taktische Erwägungen auf dem Eiserne Ketten Blog und die akustische Nachbereitung gibt es selbstverständlich beim Textilvergehen.

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